Bernauerin mit Herz

Nadine Schnittke -
Bernauerin, Lehrerin, Mama, Halbtagspolitikerin

Einschulungstag verschieben?

Kinder vor Schule

Einschulungsalter: wichtige Debatte – aber ist sie gerade die dringendste?

Aktuell wird im Landtag erneut darüber diskutiert, den Stichtag für die Einschulung nach hinten zu verschieben. Ziel ist es, dass künftig weniger Kinder mit fünf Jahren eingeschult werden. Ein Thema, das viele Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen bewegt – und das durchaus berechtigt ist.

Denn eines ist klar: Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Nicht jedes Kind ist mit fünf oder gerade sechs Jahren bereits emotional, sozial oder kognitiv so weit, den schulischen Anforderungen dauerhaft gerecht zu werden. Konzentrationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Frustrationstoleranz – all das entwickelt sich individuell. Ein zu früher Schuleintritt kann für manche Kinder Überforderung bedeuten und unnötigen Druck erzeugen.

Gleichzeitig darf man aber auch nicht außer Acht lassen, dass es Kinder gibt, die früh sehr wissbegierig sind, die Freude am Lernen haben und von schulischen Strukturen profitieren. Für sie kann ein früher Schuleintritt durchaus sinnvoll sein. Die Frage ist also weniger „früh oder spät“, sondern vielmehr: Wie flexibel und individuell gehen wir mit den Bedürfnissen der Kinder um?

Genau hier beginnt aus meiner Sicht der entscheidende Punkt. Denn während über Stichtage diskutiert wird, bleiben andere, mindestens genauso drängende Themen oft im Hintergrund. Themen, die den Alltag in Kitas und Schulen unmittelbar betreffen.

Dazu gehören:

  • der weiterhin spürbare Lehrkräftemangel,
  • die dringend notwendige Stärkung der Schulsozialarbeit,
  • der Ausbau von Schulbegleitung und multiprofessionellen Teams,
  • sowie eine verlässliche Ausstattung der Schulen, die pädagogisches Arbeiten überhaupt erst ermöglicht.

Wenn wir wollen, dass Kinder unabhängig von ihrem Geburtsmonat gut begleitet werden, dann brauchen wir vor allem gute Rahmenbedingungen: ausreichend Personal, Zeit für individuelle Förderung und stabile Strukturen. Genau hier sollte der politische Fokus liegen.

Das Thema Einschulungsalter ist wichtig – keine Frage. Doch es darf nicht davon ablenken, dass die eigentlichen Herausforderungen tiefer liegen. Bildung braucht Verlässlichkeit, Personal und Ressourcen. Und sie braucht den Mut, genau dort anzusetzen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Schulstart gemacht – als Eltern, Pädagog:innen oder aus eigener Erinnerung?
Und wo seht ihr aktuell den größten Handlungsbedarf in der Bildungspolitik?

Ich freue mich auf den Austausch – denn gute Bildung entsteht nur im Dialog.

3 Orangene Herzen untereinander
Eure Bernauerin mit Herz, Nadine Schnittke

 

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